Witch Hunter

Virginia Boecker

»Oberhalb meines Nabels ist es in meine Haut eingebrannt, ein Schwarzes Mal. XIII. Das Stigma, das mich beschützt und allen zum Beweis dient, was ich bin. Eine Hexenjägerin. Sie weichen vor mir zurück, als ob sie ich fürchten müssen. Sie müssen mich fürchten.«

Ich muss gestehen, ich habe mich wirklich auf Virginia Boeckers Buch gefreut. Schon bevor es auf dem deutschsprachigen Markt erschien stand es auf meiner TBR-Liste und dann kam das deutsche Cover: Ich war hin und weg. Sonst tendiere ich eigentlich immer zu den englischen Originalen, allerdings hat sich dtv dieses Mal mit seinem Design selbst übertroffen. Chapeau! an Carolin Liepins. Das Farbkonzept ist stimmig und das Buch ist sowohl mit Schutzumschlag als auch nackt eine Augenweide. Nur der Schlüssel stößt bei mir ein wenig auf Unverständnis. So schön er auch sein mag, spielt in der Geschichte kein Schlüssel eine besondere Bedeutung. Ein Ring, ein Kräuterbündel oder vielleicht ein Schwert hätten bei mir mehr Verständnis gefunden. Vielleicht ist es aber einfach sehr metaphorisch gemeint und sieht unsere Protagonistin als Schlüsselfigur.

Damit kommen wir auch schon direkt zur Handlung, da ein Buch schließlich mehr ausmacht als nur ein hübsches Cover. Der Leser begleitet die junge Elizabeth Grey wie sie sich unfreiwillig von einer – angeblich – sehr erfolgreichen Hexenjägerin in die meist gesuchte Verbrecherin des Landes gewandelt. Und alles wegen ein paar Kräutern. Plötzlich findet sich Elizabeth auf der anderen Seite wieder, die der Hexer und diese brauchen ihre Hilfe. Eigentlich ist das Grundgerüst für einen guten Roman von Boecker gelegt worden, allerdings wurde bei der Auskleidung ein wenig gespart.

Das lag für mich vor allem an unserer Protagonistin. Elizabeth ist eine stereotypische YA-Heldin, ein wandelndes Klischee. Sie ist Waise, von klein auf trainiert worden und heute eine der besten HexenjägerInnen. Interessanterweise wird dennoch bereits in den ersten Kapiteln andauernd erwähnt, wie schlecht sie in letzer Zeit gewesen sei und was sie alles falsch macht und gemacht hat. Aber naja. In ihren besten Freund aus Kindheitstagen ist sie – Achtung, Trommelwirbel – unglücklich verliebt. Er hat kein Interesse, obwohl Elizabeth augenscheinlich sehr hübsch ist. Zwischen den beiden herrscht auch leider wenig bis keine Chemie, obwohl ich Caleb als Charakter sehr interessant fand.

Dasselbe Spiel wiederholt sich mit den anderen Figuren. Sie sind als solche faszinierend und charakterlich gut ausgebaut, allerdings wirken ihre Interaktionen mit Elizabeth seltsam und gewollt. Das ein oder andere Mal lachten Elizabeth und eine andere Figur vollkommen unbegründet los und ich als Leser blätterte noch einmal zurück auf der Suche nach dem Witz, vergeblich. Wenn ich mir dann doch mal ein Lachen nicht verkneifen konnte, war es leider nicht mit den Charakteren, sondern über sie. Im Ernst, manchmal fragte ich mich, wieso niemand mehr als zwei Schritte weit denken konnte. In Momenten wo jeder normale Mensch nachgefragt hätte, sich gewundert hätte oder einen Moment innehalten würde um einmal richtig nachzudenken, wird einfach weiter gemacht, als ob nichts wäre. Es war zum Haare raufen. Besonders unbegreiflich war mir, warum Elizabeth bei Diskussionen über die Bedeutung, Moralität und Begründung von Magie und über all die kleinen Ungereimtheiten aus ihrem alten Leben als Hexenjägerin, zugibt dieselben Fragen und Zweifel gehabt zu haben und dennoch auf ihrer alten Meinung beharrt. Sie antwortet mit den Worten anderer, als ob sie sich noch nie eine eigene Meinung hat bilden müssen.

Ich könnte mich wohl noch länger über Elizabeth ärgern. Besonders, weil ich denke, dass mir das Buch mit einer anderen Protagonistin weitaus besser gefallen hätte. Ich finde es wirklich schade, aber ich gebe die Hoffnung nicht auf. Das Konzept von Virginia Boecker hat zumindest noch einen zweiten Versuch mit dem Folgetitel verdient. Vielleicht entwächst Elizabeth ihrem Klischee, die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt.

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Bewertung: 5 von 10 Sternen

– Lisa –

Titel: Witch Hunter
Autor: Virginia Boecker
Verlag: dtv
ISBN: 978-3-423-76135-2
Preis: 17,95 €
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